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Untergang Jerusalems und Judas (587/86 v. Chr.)

Der Untergang Jerusalems 587/86 v. Chr. hängt mit machtpolitischen Verschiebungen zusammen. Zidkija (598/97–587/86 v. Chr.) war zunächst ein treuer Vasall Babylons. Nachdem Babylon jedoch innenpolitisch durch eine Rebellion 594/93 v. Chr. geschwächt war und Ägypten unter Psammetich II. (595–589 v. Chr.) und Apries (589–570 v. Chr.) an Macht zunahm, kündigte Zidkija die Vasallität auf. Der genaue Grund lässt sich nicht rekonstruieren, möglicherweise hatte er auf den Beistand durch Ägypten gehofft. Dazu berichtet Jer 27 von früheren Überlegungen zu einem Aufstand. 588/87 v. Chr. kommt es schließlich zu einem zweiten Feldzug der Babylonier gegen Jerusalem, der „als Sicherungsmaßnahme gegenüber ägyptischen Ansprüchen“ (Frevel, 314) verstanden werden kann.

► Zunächst wird Jerusalem 588 v. Chr. durch Nebusaradan belagert (vgl. u.a. 2Kön 25,8.11.20; Jer 52,12), Nebukadnezzar II. selbst war nicht direkt beteiligt. Die Belagerung wird jedoch unterbrochen (vgl. Jer 37,6–10), wohl wegen eines Feldzuges von Apries durch Palästina (vgl. Wadi-Brisa Inschrift Nebukadnezzars II.; TUAT I,4 405). Wie genau die Zusammenhänge zu bewerten sind, ist kaum zu klären, da die Sichtweise stark durch die biblische Darstellung beeinflusst ist und weitere, davon unabhängige Quellen fehlen. Im Spätsommer 588 v. Chr. wird dann die Belagerung wiederaufgenommen und Jerusalem 587 v. Chr. endgültig erobert (vgl. 2Kön 25,3f.; Jer 39,2; 52,6). Für die zweite Eroberung Jerusalems werden die Jahre 587 sowie 586 v. Chr. angeführt. Hier besteht erneut eine Diskrepanz in der Datierung der Eroberung Jerusalems, welche durch unterschiedliche Datierungssysteme zustande kommt (vgl. dazu Koenen, Zerstörung Jerusalems (587 v. Chr.), Kap. 2.4). Das Alte Testament berichtet hinsichtlich der Eroberung Jerusalems von der Flucht und Gefangennahme Zidkijas (vgl. 2Kön 25,4–7; Jer 39,4f.; 52,11), vom Schleifen der Mauer, von der Zerstörung der Stadt sowie der Palast- und Tempelanlage und von der Deportation der Bevölkerung (vgl. 2Kön 25,1–21). Die Zerstörung lässt sich archäologisch an mehreren Stellen der Stadt Jerusalem nachweisen. Das Ausmaß der Strafaktion im Umland von Jerusalem ist jedoch umstritten, zumal nicht genau nachvollzogen werden kann, auf wen die Zerstörungen zurückzuführen sind. Dennoch besteht ein Konsens, dass nach dem Feldzug die Diskontinuität wohl größer als die Kontinuität war, wenngleich es regionale Unterschiede gab. Zugleich zeigt aber die materielle Kultur, dass die Ökonomie in administrativer Hinsicht in Kontinuität zur assyrischen Provinz stand, was der biblischen Darstellung eines vollkommenen Zusammenbruchs widerspricht. Dasselbe gilt für die biblische Darstellung Judas als entvölkertes Land. Zwar lässt sich eine Reduktion in demographischer und ökonomischer Hinsicht feststellen, aber die Darstellung eines „leeren Landes“ entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Vielmehr stellen die alttestamentlichen Texte die Diskontinuität umso stärker dar, um den Einfluss der Rückkehrergruppen aus dem Exil (Gola) stärker zu machen (vgl. Esra/Neh).

Einige biblische Texte erzählen von einem Einfluss der Edomiter bei der Eroberung Jerusalems (vgl. Obd 1,11–14; Ez 25,12; 35,5.10–11.15; 36,5). Allerdings geben babylonische Quellen keine Hinweise auf eine Mithilfe Edoms. Zudem liefern weder der ausführlichste biblische Bericht zur Eroberung Jerusalems (vgl. 2Kön 25,8–21) noch die Archäologie Informationen oder Spuren einer edomitischen Beteiligung.

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Erstellt von Katharina Neu, 2025.