Die Bibel vermittelt bezüglich des Lebens der Deportierten das Bild einer babylonischen Gefangenschaft (vgl. Ps 137,3; Bar 4,32; Ez 34,27). Zwar scheint die Deportation mit wirtschaftlichen Interessen der Neubabylonier verbunden gewesen zu sein und die Arbeitskraft der Judäer für Bau- und Infrastrukturprojekte, wie bspw. Kanalbau und -reinigung (vgl. Ps 137,1) für die Bewirtschaftung von Ländereien, eingesetzt worden zu sein. Dennoch ist dabei nicht an Sklaven im Sinne von Gefangenen zu denken. Das verdeutlichen Verträge und Geschäftstexte, die das Leben der exilierten Judäer illustrieren.

CBS 12829 (Penn Museum, Philadelphia): In Z. 19 ist der YHWH-theophore Personenname Pa-da-ʾ-ia-a-ma „Erlöst hat YHWH“ zu lesen
► Das achämenidische Muraššû-Archiv beinhaltet über 700 Tontafeln aus der zweiten Hälfte des 5. Jh.s v. Chr. (ca. 455–403 v. Chr.) aus einem Bank- und Handelshaus in Nippur. Die Tafeln geben durch Steuerquittungen, Kredit-, Pfand- und Pachtverträge im Umkreis von bis zu 100km um Nippur einen Aufschluss über das wirtschaftliche und soziale Leben der Judäer, die durch westsemitische und YHWH-theophore Namen erkennbar sind. Ihnen ist eine Bewirtschaftung von zugewiesenem Land zur Selbstversorgung möglich. Darüber hinaus sind ihnen Geschäftskontakte, Handelsbeziehungen und Vertragsabschlüsse erlaubt, was auf eine gute Integration schließen lässt. Dieses Bild bestätigen auch ca. 200 Texte aus āl-Jāḫūdu und Bīt Našar, die teilweise ein Jahrhundert früher zu datieren sind als die Muraššû-Texte, überwiegend aber aus der persischen Zeit stammen. Sie zeigen, dass die Judäer in persischer Zeit sozial, rechtlich und ökonomisch gut integriert waren. Da sich dies über längere Zeit entwickelt haben muss, kann daraus geschlossen werden, dass die Judäer bereits in neubabylonischer Zeit integriert wurden. Neben Eheverträgen lassen auch Stadt- bzw. Siedlungsname auf das Leben der Judäer schließen, die bspw. in āl-Jāḫūdu oder Bīt-Abī-râm (= Haus Abrahams) angesiedelt waren. Aufgrund der guten Integration scheint auch nur ein kleiner Teil der Exilierten nach dem Ende der babylonischen Herrschaft zurückgekehrt zu sein. Über das religiöse Leben in Babylonien sind keine direkten Zeugnisse vorhanden. Die judäische Religion war aber wohl nicht verboten. Nachdem den Exilierten kein Tempel mehr zur Verfügung stand, versuchten sie wohl die Gegenwart Gottes auf neue Weise zu begründen. Sabbat, Beschneidung und Gebet nahmen dabei eine wichtige Rolle ein.
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Erstellt von Katharina Neu, 2025.