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Diaspora in Ägypten: Bitte um Erlaubnis zum Wiederaufbau des Tempels in Elephantine (407 v. Chr.)

Die Anfänge der ägyptischen Diaspora liegen wohl bereits Ende des 8. Jh. v. Chr., als mit dem Untergang des Königreiches Israel 722/20 v. Chr. Israeliten nach Ägypten kamen. Auch im 7./6. Jh. v. Chr., in der 26. Dynastie (672–526/25 v. Chr.), kamen Judäer nicht nur als Sklaven, sondern vor allem als Händler und Söldner nach Ägypten. Die Söldner wurden dabei in Militärkolonien zur Sicherung der Grenzen angesiedelt. Elephantine ist dabei die größte und am besten bezeugte Kolonie. Aus den Jahren 410-400 v. Chr. geben aramäische Papyri (vgl. HTAT Nr. 284–288) Aufschluss über die Bitte um Erlaubnis zum Wiederaufbau des YHW-Tempels von Elephantine, der 410/409 v. Chr. zerstört wurde. Der Tempel ist auch archäologisch bezeugt. Er wurde durch eine Tempelsteuer finanziert (vgl. HTAT Nr. 288 = TAD C3.15) und war wohl Zentrum des politischen und religiösen Lebens. Zugleich wird durch die archäologischen Funde deutlich, dass neben YHWH als Hauptgott (bzw. YHW, der für Elephantine üblichen Schreibweise) auch Anat-Yahō und Ašīm-Bethel verehrt wurden. Die Identität dieser Gottheiten sowie das Verhältnis zueinander ist nicht vollständig geklärt. Hieran zeigt sich, dass sich der Monotheismus wohl noch nicht durchgesetzt hatte.

Brief an den Bagohi, den Statthalter von Juda, mit der Bitte um Hilfe beim Wiederaufbau des zerstörten Tempels, 407 v. Chr. (HTAT 285 = TAD A4.7; Pap. Berlin P. 13495, Ägyptisches Museum Berlin)

Der YHW-Tempel von Elephantine war neben dem wiedererrichteten Jerusalemer Tempel nicht das einzige YHWH-Heiligtum in der Perserzeit. Auch auf dem Garizim gab es ein Heiligtum, dessen Bau durch archäologische Funde auf ca. 450 v. Chr. datiert wird und das epigraphisch in Inschriften aus Delos aus dem 3./2. Jh. v. Chr. und biblisch in 2Makk 6,2 bezeugt wird. Ein Ostrakon vom Ende des 5. Jh. / Beginn des 4. Jh. v. Chr. aus Ḫirbet el-Qōm erwähnt einen YHWH-Tempel. Auch in Phönizien, Dan und Lachisch gab es wohl Heiligtümer. Der Befund zeigt, dass sich die Kultzentralisation in Jerusalem im 7. Jh. v. Chr. wohl nur auf Juda beschränkte. Zudem wird deutlich, dass die YHWH-Verehrung pluriformer war als es die biblischen Schriften darstellen. Die Zeit unter persischer Herrschaft ist damit als eine Zeit der Entwicklung hin zum Monotheismus zu verstehen.

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Erstellt von Katharina Neu, 2025.