Ausgangspunkt für den Feldzug Nebukadnezzars II. (605–562 v. Chr.) war die Einstellung der Tributzahlungen durch Jojakim von Juda (608–598 v. Chr.). 2Kön 24,1 datiert diesen Abfall von Babylon in das Jahr 602 v. Chr. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Jojakim auf die Schwächung Babylons in Folge einer Schlacht im ägyptischen Grenzgebiet 601 v. Chr. (vgl. Babylonische Chronik zum vierten Jahr Nebukadnezzars; TUAT I,4 403; HTAT 416; Herodot, Historien II, 159) reagierte. In Folge dieser Schlacht musste Nebukadnezzar seine Truppen wohl neu organisieren, sodass es im darauffolgenden Jahr zu keinem Feldzug kam. Für Jojakim könnte dies der Auslöser für seinen Aufstand gewesen sein, zumal er seine Hoffnung wohl auf Ägypten gesetzt hatte. Erst 598 v. Chr. reagierte Nebukadnezzar II. auf den Aufstand Judas mit der Belagerung Jerusalems.
► Während der Belagerungszeit Jerusalems stirbt Jojakim (vgl. 2Kön 24,6; 2Chr 36,6) und sein Sohn Jojachin tritt seine Nachfolge an (vgl. 2Kön 24,8). Dieser kapituliert schließlich (vgl. 2Kön 24,12), um eine Zerstörung durch die Babylonier aufzuhalten. Die babylonische Chronik hingegen spricht nicht von einer Kapitulation, sondern von einer Einnahme der Stadt und der Gefangennahme des Königs (vgl. Babylonische Chronik zum siebten Jahr Nebukadnezzars II., HTAT Nr. 258). Die gute Versorgung Jojachins in Babylon, welche durch Rationen-Listen in babylonischen Archivnotizen (TUAT I 412f., HTAT Nr. 265–267) belegt ist, spricht jedoch eher für eine Kapitulation. Hinsichtlich des Feldzuges und der Einnahme Jerusalems berichtet die Babylonische Chronik auch von der Einsetzung eines neuen Königs, Zidkija (598/97–587/86 v. Chr.; vgl. 2Kön 24,10–17; Jer 37,1; Ez 17,12–14) und einem hohen Tribut als Kriegsbeute (HTAT Nr. 258; dazu 2Kön 24,13; Jer 27,18–22 mit Hinweis auf die Entwendung von Tempelgeräten). Mit der Einnahme Jerusalems findet zugleich eine erste Deportation von Bevölkerungsteilen, v. a. aus der Oberschicht, statt (vgl. 2Kön 24,15–16; Jer 29,2). Die babylonische Chronik und Jer 52,28 datieren das Geschehen dabei in das siebte Jahr Nebukadnezzars II., also in das Jahr 597 v. Chr. 2Kön 24,12 hingegen ordnet die Ereignisse in das achte Regierungsjahr ein. Allerdings scheint hier das Akzessionsjahr Nebukadnezzars II. mitgezählt zu sein, sodass die Diskrepanz zwischen den Datierungen wohl durch unterschiedliche Datierungssysteme zustande kommt (vgl. dazu Koenen, Zerstörung Jerusalems (587 v. Chr.), Kap. 2.4). Mit dem Feldzug sichert sich Nebukadnezzar II. erneut die Herrschaft über Juda sowie über die weiter südlich laufende Grenze gegenüber Ägypten.
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Erstellt von Katharina Neu, 2025.