Bei der Inschrift aus Dan handelt es sich um einen Orthostaten, einen aufrechtstehenden Steinblock, mit einer aramäischen Inschrift aus dem 9. Jh. v. Chr., der in Tel Dan gefunden wurde. Darin rühmt sich ein König von Aram, die Könige Joram aus Israel und Ahasja aus Juda getötet zu haben. Welcher König von Aram hier gemeint ist, wird nicht erwähnt. Dass es sich dabei um König Hasaël (ca. 845–800 v. Chr.) handelt, erscheint aber plausibel. Der judäische König Ahasja wird auf dem Orthostat als König aus dem „Haus Davids“ beschrieben. Die Inschrift bezeugt damit eine Tradition, die königliche Herrschaft an David zurückbindet. Zugleich macht sie damit die Existenz eines Königs namens David historisch wahrscheinlich, wenngleich sie aber keinen Beweis dafür bietet. Zudem kann die Inschrift keinen Aufschluss über die Datierung und den Raum der Herrschaft Davids geben.

► Die Inschrift könnte mit der Nennung Ahasjas von Juda allerdings das erste außerbiblisches Zeugnis für einen judäischen König geben. Dieser scheint jedoch eng mit dem israelitischen König Joram verbunden gewesen zu sein und mit ihm gemeinsam agiert zu haben. Inwieweit hier von einem eigenständig judäischen König gesprochen werden kann, bleibt daher fraglich.
Die Inschrift widerspricht dabei der biblischen Überlieferung in doppelter Hinsicht. Zum einen zeichnen beide Überlieferungen unterschiedliche Bilder von König Hasaël und dessen Aufstieg. Während die Inschrift aus Dan als Vorgänger Hasaëls dessen Vater kennt, berichtet 2Kön 8,7–15 davon, dass Hasaël seinen Vorgänger umgebracht haben soll. Für eine historische Zuverlässigkeit ist es daher notwendig, beide Quellen kritisch auszuwerten, denn jeder Text kann die Situation so darstellen, dass er in das eigene Bild passt. Andererseits widerspricht der Text hinsichtlich der Ermordung der beiden Könige Joram aus Israel und Ahasja aus Juda der biblischen Darstellung in 2Kön 9–10. Denn die Bibel nennt Jehu als Mörder der beiden.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit den widersprüchlichen Quellen umzugehen: So kann einerseits angenommen werden, dass nur eine der beiden Darstellungen richtig, die andere hingegen falsch ist. Andererseits können auch beide falsch sein. Darüber hinaus wären sowohl eine Kombination beider Quellen möglich, welche davon ausgeht, dass Hasaël und Jehu verbündet waren, als auch die Annahme, dass sich Hasaël durch die Inschrift mächtiger als Jehu zeigen wollte. Letztlich ist hier das Verhältnis der beiden Quellen aber nicht eindeutig zu klären.
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Erstellt von Katharina Neu, 2025.