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Siloah-Inschrift (8./7. Jh. v. Chr.)

Die Stadt Jerusalem war zur Wasserversorgung auf die Gihon-Quelle im östlichen Kidrontal angewiesen. Da die Quelle außerhalb der Stadtmauern lag, bestand zur Wasserversorgung ein Tunnelsystem. Ab dem 9. Jh. v. Chr. fanden daran umfassende Bauarbeiten statt, im Zuge derer auch ein 533 m langer Tunnel von der Gihon-Quelle bis zu einem Becken am südlichen Ende gebaut wurde. Der Tunnel könnte, unter der Annahme einer Maximalposition hinsichtlich der Ausdehnung der Stadt, zur Wasserversorgung des Stadtgebiets im Südwesten gedient haben. Vom Bau dieses Tunnels berichtet die Siloah-Inschrift (HTAT Nr. 180, TUAT I 555f.), die sich am südwestlichen Ausgang des Tunnels befindet. Sie dokumentiert den Durchstich im Tunnel, da dieser aus zwei Richtungen, vermutlich entlang von Felsspalten, gegraben wurde. Die Inschrift nennt allerdings keinen Bauherren.

Siloah-Inschrift (Archäologisches Museum Istanbul)
Die Bautätigkeit wird in alttestamentlichen Texten (vgl. 2Kön 20,20; 2Chr 32,3-4.30; Sir 48,17) Hiskija (725–697 v. Chr.) zugeschrieben, weshalb der Tunnel auch als „Hiskija-Tunnel“ bezeichnet wird. Eine Errichtung unter Hiskija stellt sich als möglich dar, archäologisch ist eine absolute Datierung des Tunnels jedoch schwierig, da Anhaltspunkte für eine solche fehlen. Paläographische Besonderheiten der Siloah-Inschrift erschweren die genaue Einordnung ebenso. Daher wird eine sehr große Zeitspanne an Datierungen diskutiert. So argumentieren auf der einen Seite einige Archäologen auf Grundlage weiterer Grabungen für eine deutlich frühere Entstehung im 9. oder frühen 8. Jh. v. Chr. (vgl. Reich/Shukron; Reich/Galil; De Groot/Fadida). Auf der anderen Seiten nehmen andere Archäologen an, der Tunnel könnte erst von Hiskijas Nachfolger Anfang des 7. Jh. v. Chr. errichtet oder vollendet worden sein (vgl. Sneh u. a.).

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Erstellt von Katharina Neu, 2025.