Der Palästinafeldzug des ägyptischen Pharao Schischak/Scheschonq I. (946/45–924 v. Chr.) ist durch eine Liste am Bubastidenportal des Amun-Tempels in Karnak belegt, welche die bei diesem Feldzug eingenommene Orte nennt. Die ägyptische Kompositliste, die auch Orte aus anderen Listen übernimmt, ist zwar nicht eindeutig aussagekräftig, dennoch fällt auf, dass Jerusalem in der Liste der eingenommenen Orte nicht genannt wird. Für den Palästinafeldzug sind v. a. Orte in Israel, an der Küstenstraße nach Megiddo und in der Gegend südlich von Juda und im Negev belegt, weniger dagegen in Juda selbst. Es scheint also wenig Interesse für Jerusalem sowie das judäische Bergland gegeben zu haben. Vermutlich waren diese für den Feldzug politisch und ökonomisch bedeutungslos. Dem Pharao scheint also bei seinem Feldzug daher kein davidisch-salomonisches Großreich im Weg gestanden zu haben. Auch das Alte Testament erwähnt einen Feldzug des Pharaos Schischak gegen Jerusalem in 1Kön 14,25–26 und 2Chr 12,2–9, der dieser Darstellung jedoch widerspricht.

► Klassischerweise wird der Feldzug des Pharaos um das Jahr 926 v. Chr. datiert. Diese traditionelle Datierung beruht allerdings auf einem Zirkelschluss. Sie hängt von den biblischen Angaben zur Regierungszeit Salomos ab, die zugleich wiederum vom chronologischen System Ägyptens abhängig sind. Archäologisch lässt sich der Feldzug nur relativ in die zweite Hälfte des 10. Jh. v. Chr. datieren.
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Erstellt von Katharina Neu, 2025.