Ende des 8. Jh. v. Chr. ist das Königreich Juda unter Hiskija (725–697 v. Chr.) ein treuer Vasall Assyriens. Das ändert sich jedoch, als sich eine anti-assyrische Koalition mit Ägypten, Moab, Edom und Juda wohl unter der Führung Hiskijas bildet. Im Jahr 706 v. Chr. stellen die Koalitionäre die Tributzahlungen ein. Und auch beim Thronwechsel von Sargon II. zu Sanherib (705–681 v. Chr.) kommt es zu Unruhen. 701 v. Chr. startet Sanherib daher eine Strafexpedition, im Zuge derer die anti-assyrische Koalition schnell auseinanderbricht. Während des Feldzuges werden entlang der Küste viele phönizische und philistäische Städte unterworfen sowie viele judäische Dörfer und Städte erobert, wie bspw. Lachisch. Auch Jerusalem wird wohl belagert, aber bleibt letztlich verschont.
Der dritte Feldzug Sanheribs ist sowohl in assyrischen als auch in biblischen Quellen gut belegt. So sind Belagerung, Eroberung und Plünderung von Lachisch ikonografisch auf einem Relief im Palast Sanheribs in Ninive dargestellt (vgl. das Relief im British Museum). Im AT berichten 2Kön 18,14.17; Jes 36,2 und 2Chr 32,9 davon. Lachisch war die bedeutendste befestigte Stadt in Juda nach Jerusalem, wenngleich sie nicht so groß war. Die Einnahme der Stadt hatte für die Assyrer wohl v. a. paradigmatische Bedeutung, insofern Jerusalem nicht eingenommen werden konnte. Auch ein ausführlicher Bericht in den Annalen Sanheribs (HTAT Nr. 181–182) sowie 2Kön 18–19; 2Chr 32; Jes 36–38; 2Makk 8,19 und Sir 48,18 dokumentieren den Feldzug. Dennoch können abschließend nicht alle Details des Feldzuges noch der Belagerung und Verschonung Jerusalems geklärt werden. So rühmt sich Sanherib in seinen Annalen, Befestigungen rund um Jerusalem angelegt zu haben (HTAT Nr. 181), und 2Kön 18,17 sowie Jes 36,2 sprechen von militärischem Druck auf Jerusalem. Inwiefern hier von einer Belagerung der Stadt ausgegangen werden muss und inwiefern die Assyrer Jerusalem tatsächlich von der Versorgung abgeschnitten haben, bleibt letztlich unklar. Ebenso sind die Umstände des Abzugs der assyrischen Truppen ohne die Eroberung Jerusalems nicht vollständig zu erheben. Während die Bibel eine wundersame Rettung Jerusalems beschreibt (vgl. 2Kön 18,17–19,37; Jes 36,2–37,38), berichten sowohl die Annalen Sanheribs (HTAT Nr. 181,37–49) sowie 2Kön 18,13 von hohen Tributleistungen, die Hiskija wohl zur Verschonung Jerusalems zahlte. In der Folge von Sanheribs Feldzug wird Juda damit erneut Assyrien unterworfen und zu dessen Vasall. Zudem erlebt Juda eine Gebietsverkleinerung auf Jerusalem und das Umland, sodass es wirtschaftlich und militärisch geschwächt ist und erneute Aufstände Judas gegen die assyrischen Herrscher verhindert werden. Neben der Demonstration der assyrischen Macht schafft Sanherib mit seinem Feldzug aber auch eine Pufferzone zwischen Ägypten und Palästina, die für die Verfolgung seiner ökonomischen Interessen von Vorteil ist. In dieser Zone waren so weiterhin der Kupferhandel aus Araba, die Kontrolle des maritimen Handels an der via maris sowie die Kontrolle des arabischen Fernhandels inklusive des Endpunktes der sog. „Weihrauchstraße“ in Gaza in assyrischer Hand.
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Erstellt von Katharina Neu, 2025.