Zum Inhalt springen

Untergang des neubabylonischen Reiches (539 v. Chr.)

Das neubabylonische Reich befindet sich in der zweiten Hälfte des 6. Jh.s v. Chr. in einer Krise. König Nabonid (556–539 v. Chr.) versucht sein Reich zu einen, indem er dem Mondgott Sin mehr Gewicht geben will. Dieses Vorgehen führt jedoch zu Widerständen im babylonischen Reich. Traditionalisten sowie politisch einflussreiche Marduk-Priester wollen dieser Veränderung nicht folgen, sodass es zu Aufständen im babylonischen Reich kommt. Ab der Mitte des 6. Jh.s v. Chr. verschieben sich zugleich die Machtverhältnisse im Vorderen Orient. Der Perserkönig Kyros II. (559–530 v. Chr.) dehnt die Grenzen seines Reiches immer weiter aus, u. a. indem er 550 v. Chr. über die Meder siegt. 539 v. Chr. schließlich greift er Nabonid und das neubabylonische Reich an und siegt kampflos, da sich die politisch einflussreichen Marduk-Priester mit ihm verbündet haben. Der Sieg wird propagandistisch auf dem Kyros-Zylinder (Z. 15–23; TUAT 408–409; HTAT Nr. 273; Jes 44,28; 45,1.4) beschrieben. Aufgrund der innerbabylonischen Spannungen wird Kyros II. nach seinem Sieg als Befreier gefeiert.

► Die Zeit unter persischer Herrschaft verlief in Juda ruhig. Zugleich entstanden in dieser Zeit entscheidende Voraussetzungen, welche die Entwicklung des Judentums, wie es heute besteht, ermöglichten. Mit der Herrschaft der Perser wird zudem häufig eine sog. Toleranzpolitik in Verbindung gebracht, deren Ausmaß heute jedoch stark diskutiert wird. Gerade gegenüber der These, die Perser hätten lokale Kulte aktiv und dauerhaft subventioniert, besteht Skepsis. Denn die Quellen aus der Perserzeit sind z. T. stark propagandistisch beeinflusst und damit tendenziös. Dennoch zeigt sich, dass die Perser keine religiöse Zentralisierung als Herrschaftsmittel nutzten, sondern dass neben der persischen Internationalisierung ein kultureller und religiöser Regionalismus bestand. Diese Toleranz war wohl Teil einer politischen Strategie. Sie fand ihre Grenzen dort, wo die Loyalität gegenüber dem Großkönig in Frage gestellt wurde.

nach oben

► Zurück zum Zeitstrahl zur Geschichte Israels.

Erstellt von Katharina Neu, 2025.