Unter der Regierung von Salmanassar V. (727–722 v. Chr.) versucht sich Hosea von Israel (731–722 v. Chr.) aus der Abhängigkeit von Assyrien zu lösen. Er stellt die Tributzahlungen ein, die Israel als Vasall an Assyrien leisten muss, und versucht nach biblischer Darstellung mit Ägypten in eine antiassyrische Koalition einzutreten (vgl. 2Kön 17,4). Der Abbruch der Tributzahlungen führt zur Belagerung Samarias durch Salmanassar V. Schließlich wird Samaria 722 durch Salmanassar V. oder 720 v. Chr. durch Sargon II. (722–705 v. Chr.) endgültig erobert. Während die biblische Darstellung Salmanassar V. die Eroberung und Sargon II. deren Konsequenzen zuschreibt, rühmen sich in assyrischen Quellen sowohl Salmanassar V. (vgl. Babylonische Chronik) als auch Sargon II. (vgl. Nimrud-Prisma, Prunkinschrift Sargons II. aus Khorsabad) der Eroberung Samarias. Am plausibelsten erscheint die Möglichkeit, dass der Feldzug nach dem Tod Salmanassars V. 722 v. Chr. unterbrochen wurde und Samaria so erst endgültig durch Sargon II. 720 v. Chr. eingenommen wurde.
Mit der assyrischen Eroberung wird das ehemalige Nordreich Israel in assyrische Provinzen eingegliedert. Eine flächendeckende Zerstörung ist aber nicht anzunehmen, vielmehr beschränkte sich diese wohl nur auf strategisch und administrativ wichtige Orte. Im Zuge der Eroberung gibt es auch Deportationen von Bevölkerungsteilen Israels (v. a. wohl Eliten, Intellektuelle, Beamte, Soldaten etc.). Mit der Umsiedlung dieser Bevölkerungsteile in andere Bereiche des assyrischen Reiches (vgl. in biblischer Darstellung 2Kön 17,6; 18,11), aber auch der Ansiedelung neuer Bevölkerungsteile im eroberten Israel sollen die politische Kontrolle über das besetzte Gebiet erleichtert und politischer Widerstand gebrochen werden. Zugleich werden so auch humane Ressourcen abgeschöpft und neue Arbeitskräfte gewonnen. Damit soll Loyalität gegenüber dem fremden Machthaber erreicht werden. Die biblische Darstellung dieser Deportation kann den Eindruck erwecken, ganz Israel sei umgesiedelt worden (vgl. 2Kön 17,6.23f.). Dem widersprechen jedoch assyrische Quellen (vgl. Nimrud-Prisma, Prunkinschrift aus Khorsabad), in denen Sargon II. von einem deportierten Bevölkerungsteil spricht, der ungefähr 10 % der Gesamtbevölkerung ausmacht.
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Erstellt von Katharina Neu, 2025.