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Veränderungen in der Kultausübung und Joschijanische Reform (8./7. Jh. v. Chr.)

Das Alte Testament berichtet in 2Kön 22–23 und 2Chr 34–35 von einer Kultzentralisation und einer Kultreinigung unter König Joschija (639–609 v. Chr.). 622 v. Chr. soll dieser die umfassenden Reformen veranlasst haben. Die Frage der Historizität der biblischen Schilderung hängt stark von der Einschätzung der Quellen und des archäologischen Befundes ab, wobei aber kein genaues Bild zu erheben ist.

Joschija wird in keiner außerbiblischen Quelle genannt und auch die biblische Darstellung ist stark stilisiert. So erscheint Joschija als König, der dem Maßstab König Davids entspricht und damit einen Höhepunkt in der Königszeit darstellt. Im Gegensatz dazu zeigt der archäologische Befund keinen einschneidenden kulturellen Wandel im 7. Jh. Dennoch wird deutlich, dass bis Ende des 8. Jh. v. Chr. bereits sukzessive regionale Heiligtümer zugunsten von Jerusalem aufgegeben wurden. Im 7. Jh. v. Chr. bestand damit schon eine Zentralisation des regionalen Kultes auf den Jerusalemer Tempel, der nun nationaler Staatskult war. Wenngleich es noch Kultstätten niederen Ranges wie etwa Torheiligtümer gab, so scheint die biblische Darstellung eher vom historiographischen Erzählinteresse der Königebücher her konzipiert zu sein und damit die kulttopographischen Gegebenheiten aufzugreifen. Eine Kultreinigung im umfassenden Sinne ist unter Joschija wohl nicht anzunehmen. Zwar ging der im 8./7. Jh. v. Chr. erstarkte assyrisch-aramäische Einfluss auf den Kult durch machtpolitische Veränderungen (vgl. den Untergang Assurs 614 v. Chr.) zurück, dennoch zeigt sich auf allen Ebenen der familiären, regionalen und auch nationalen Frömmigkeit im 7. Jh. v. Chr. noch keine Alleinverehrung YHWHs. Auch ikonographische Quellen legen eher eine Monolatrie als einen Monotheismus nahe. Für den Jerusalemer Tempel und damit den Staatskult ist aber wohl trotzdem eine Alleinverehrung YHWHs anzunehmen. Die Veränderungen in der Kultausübung im 8./7. Jh. v. Chr. stellen damit wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung zum Monotheismus dar.

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Erstellt von Katharina Neu, 2025.